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Computerspiele – schädliche Gefahr oder gut für das Gehirn?

Computerspiele – schädliche Gefahr oder gut für das Gehirn?
Oktober 18
11:44 2017

Durch diverse Massaker in Deutschland kommt die Debatte über Computerspiele bzw. Killerspiele immer wieder auf. Heiß wird diskutiert, ob die virtuellen Games nun schädlich und gefährlich sind, oder ob doch ganz andere Faktoren maßgeblich „Amokläufer“ hervorbringen. Klar ist, dass dieses Phänomen noch nicht vollständig ergründet ist und es deshalb auch künftig diesen Disput geben wird. Wie aber gehen wir in unserer Gesellschaft richtig damit um?

 

Computerspiele – Gefahr oder Segen?

computerspiele-gefahr-killerspiele2002 starben 16 Menschen in Erfurt. 2009 fielen 15 Menschen einem Amoklauf in Winnenden zum Opfer. 2006 wurden 5 Menschen in Emsdetten verletzt und der Täter beging Selbstmord. 2016 waren es 9 Menschen, die in München getötet wurden. In Deutschland zum Glück also kein täglicher Vorfall, aber dennoch schlimm genug.

Insbesondere diese aufgeführten „Amokläufe“ brachten die Debatte über Computerspiele in unsere Gesellschaft. Seitdem beschäftigt man sich immer wieder mit den Gefahren und Risiken von Computerspielen und, ob deren Wirkung schädlich ist bzw. Aggressionen fördert.

Politiker, Psychologen und andere „Experten“ kamen bislang in diesen Debatten zu Wort. In den meisten Fällen waren die Computerspiele entweder komplett oder zumindest teilweise Schuld an den Morden in Deutschland durch noch ziemlich junge Menschen. So brachte auch das Ereignis im Jahr 2016 die Computerspiel-Gefahr zurück in die Medien.

Richtig ist es mit Sicherheit, diese Thematik bzw. die Ursachen solcher Aggressionen zu erforschen. Bedauerlich ist es aber auch, dass derartige Themen nur zur Sprache kommen, wenn es mal wieder zu spät gewesen ist. Ob hier von Politikern Populismus (oberflächlich Sympathien von Zielgruppen sammeln) ausgeht? Es sieht leider stark danach aus.

Was wissen wir aber inzwischen wirklich über die Computerspiele und deren Wirkung auf den Menschen?

 

Mehr Gewaltpotential, ja. Bei jedem, nein.

Um zu den wirklichen Quellen zu kommen, hilft ein Blick in eine PDF, die sich mit Gewalt durch Medienkonsum beschäftigt. Hier wird auf diverse Studien verwiesen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben und welche Erkenntnisse gewonnen wurden. Dabei wird vor allem folgendes auffällig:

  1. Die Studien befassen sich nicht nur Computerspielen, sondern bspw. auch Filmen und Comics
  2. Die Einflüsse wirken nicht auf jeden genau gleich – Menschen reagieren also unterschiedlich darauf

Hier kommen wir also zu der Erkenntnis, dass erstens nicht nur Computerspiele ihren Teil dazu beitragen, sondern auch andere Medien sowie Werbung. Zweitens lässt sich feststellen, dass man die Wirkung nicht pauschalisieren kann, weil nicht jeder Mensch automatisch aggressiver wird.

Wenn wir also die Debatte über „Killerspiele“ führen, dann müssen wir uns gleichzeitig mit dem Einfluss aller Medien beschäftigen. Ebenfalls müssen Einwirkungen aus dem realen Leben beachtet werden. Hierzu zählt zum Beispiel elterliche Gewalt, Mobbing, vernachlässigte Erziehung oder die Gewaltbereitschaft im Freundeskreis bzw. Umfeld.

Eine Differenzierung findet aber gerade medial kaum statt. Stattdessen wird eine Art Sündenbock definiert und zumeist nur oberflächlich in Artikeln, Talkshows und Dokumentationen bearbeitet.

 

Computerspiele werden (wirtschaftlich) interessanter

computerspiele-esports-trendMittlerweile finden wir allerdings deutlich weniger negative Stimmen über die schädlichen Einflüsse von Computerspielen in der Medienlandschaft. Woran liegt es, dass eine in 2016 wieder aufgeworfene Debatte so schnell und klanglos wieder verschwindet? Liegt es vielleicht daran, dass wir inzwischen fast 50% Gamer in Deutschland sind?

Dazu gehört mit Sicherheit noch mehr, denn wo Schatten ist, ist bekanntlich auch Licht. Der stärkste Sonnenstrahl scheint vermutlich aus dem Bereich „Wirtschaft“ auf die Spielekultur herab. Das Stichwort lautet „eSports“ und bezeichnet kurz und knapp das Computerspielen gegen andere Spieler in einem Wettbewerb.

In manchen Ländern wie Taiwan bereits als offizielle Sportart anerkannt, hapert es hierzulande jedoch noch ein wenig mit der „Kommerzfähigkeit“. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern, denn derartige eSport-Events werden immer beliebter.

Dass sich Firmen wie Wüstenrot, Daimler und Vodafone hier als Sponsoren einklinken sollte daher kein Wunder sein. Schließlich kann auf diesem Wege ein junge Zielgruppe mit digitaler Affinität sehr gut angesprochen werden. Die genannten Unternehmen haben das bereits erkannt und weitere folgen mit Sicherheit.

 

Gut für das Gehirn!

computerspiele gehirn gute wirkungWas lange öffentlich als schädlich tituliert wurde, wird plötzlich gut. Wie das Blatt sich wenden kann, sehen wir zum Beispiel an positiven Meldungen zu Computerspielen in denselben Zeitungen, die einst als Sprachrohr zur Verteufelung der virtuellen Games her hielten. „Computerfreaks“ waren es damals. Heute werden „Spieler“ deutlich neutraler gehalten.

Die Wissenschaft liefert also neue Erkenntnisse zu Computerspielen und deren psychischen Auswirkungen. Diese sind aber nicht weiters auf das Thema Gewalt fixiert, sondern vielmehr rühmend. So ist kompetitives Gaming nun ein „Spitzensport“. Nahezu keine Zeile ist mehr zum Thema Aggression oder schädlichen Einflüssen zu finden.

Vielleicht hat man langsam erkannt, dass die positiven Effekte von Computerspielen überwiegen und nicht jeder Gamer sofort zum Attentäter oder Amokläufer mutiert. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man das Geld in dieser aufsteigenden Branche gerochen hat. Vielleicht ist es auch beides.

 

Positive Wirkungen von Computerspielen

Interessant ist vor allem, dass Computerspiele inzwischen sogar für Therapiezwecke zum Einsatz kommen. So hat beispielsweise eine Universität in Auckland (Neuseeland) ein Computerspiel namens SPARX zur Überwindung von Depressionen entwickelt, das es inzwischen auch nach Japan geschafft haben soll.

Ebenfalls werden neuerdings Computerspiele eingesetzt, um Schwachsichtigkeit von Kindern zu behandeln. Alles in allem also eine spannende Entwicklung in dieser Branche, die sich mehr und mehr zum Positiven zu neigen scheint.

 

Die Killerspiele-Debatte ist tot

killerspiel-debatteOb hier irgendwann wieder ein finsterer Schattenwurf folgt? Vermutlich nicht. Die Politik und die großen Medien merken, dass das Thema „Killerspiele“ kaum noch greift. Die älteren Menschen haben sich damit abgefunden und die jüngere Generation schert sich nicht wirklich um diese Gefahren.

Die Debatte ist also nicht länger „gesellschaftsfähig“. Kritik und Skandale bringen mehr „Shitstorm“ und weniger neue Anhänger bzw. Wählerstimmen. So können wir also erneut Zeuge sein, wie objektiv sinnvoll zu betrachtende Themen im Nirwana verschwinden, wenn einerseits wirtschaftlicher Profit entdeckt wird und andererseits der „politische Nutzen“ einer kritischen Diskussion fehlt.

Versteht mich nicht falsch. Ich selbst bin als Gamer gegenüber der Verteufelung von Computerspielen immer kritisch gewesen. Ebenfalls habe ich schon über die positiven Wirkungen von Computerspielen berichtet. Allerdings finde ich die mangelnde Objektivität bei der ganzen Sache sehr bedenklich. Schließlich sollten gesellschaftlich wichtige Themen nicht bloß dann sinnvoll diskutiert werden, wenn ein Nutzen dahinter steht.

Derartige Entwicklungen lassen sich schließlich nicht nur im Bereich Computerspiele, sondern in sämtlichen Bereichen der Politik bzw. unseres Lebens finden. Daher sollten wir dies als Beispiel nehmen, wie schnell sich Meinungen ändern können und wie stark wir von Meinungsmachern beeinflusst werden können.

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3 Kommentare

  1. Steff
    Steff Oktober 18, 13:16

    Begegnungen – Peter Voß fragt Manfred Spitzer: Macht uns der Computer dumm? https://www.youtube.com/watch?v=TLwXCS9LKS8

    Auf dieses Kommentar antworten

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